Episode 4 Russisch - »Wenn du meine Sprache sprichst, kommst du mir nah.«
Shownotes
In der vierten Folge unseres Podcasts Language Lounge begrüßen wir Olga Stockmeier. Sie erzählt uns viel über die Geschichte Russlands und die Entstehung der Sprache. Auch auf die Vermittlung der Schrift und Details aus ihrem Unterricht gibt sie preis. Wie sie die Schule zu Zeiten der Sowjetunion geprägt hat und wie sie nach Deutschland bzw. Bielefeld gekommen ist, erfährst du in dieser Folge.
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Transkript anzeigen
00:00:02: Language Lounge, der Podcast des Fachsprachenzentrums.
00:00:17: Strasvucce, liebe Zürerinnen und Zürer, heute heiße ich euch herzlich willkommen zu einer neuen Episode unseres Podcasts Language Lounge.
00:00:26: Wir beschäftigen uns heute mit einer Sprache, die nicht nur die größte slavische Sprache der Welt ist, sondern auch ein bedeutendes kulturelles Erbeträgt, nämlich Russisch.
00:00:36: Russisch ist nicht nur die Amtssprache in Russland, sondern wird auch in vielen anderen Ländern angesprochen.
00:00:42: und hat durch Literatur, Musik und Geschichte weltweiten Einfluss genommen.
00:00:47: Ich freue mich sehr, dass Olga heute bei mir ist, um mit mir darüber zu sprechen.
00:00:51: Hallo Olga.
00:00:53: Hallo.
00:00:54: Also sehr schön, dass du da bist.
00:00:56: Ich bedanke mich wirklich.
00:00:59: Und bevor wir einsteigen, finde ich es ganz schön, wenn du dich einmal kurz vorstellst.
00:01:05: Also wer du bist, woher du kommst.
00:01:07: Ja.
00:01:08: Ja, gerne.
00:01:09: Ich komme aus St.
00:01:10: Petersburg in Russland.
00:01:12: Dabei war das eigentlich meine letzte Station, wo ich gewohnt habe.
00:01:17: Ursprünglich komme ich aus einer Stadt an der Volga und diese Stadt heißt Saratov.
00:01:22: Dort bin ich zur Schule gegangen.
00:01:25: Später habe ich da an der Uni studiert, also Germanistik habe ich studiert und russisch ist meine Muttersprache.
00:01:32: Weil diese Stadt damals eine geschlossene Stadt war, das heißt, wir hatten da keine Ausländer, kein Kontakt, dann bin ich nach Petersburg gegangen, damit ich eine Möglichkeit bekomme, Deutsch zu sprechen.
00:01:43: Das wollte ich ja gerne.
00:01:46: Und in St.
00:01:47: Petersburg, diese Stadt war ja immer weltoffen, habe ich dann fünfzehn Jahre lang als Reiseleiterin und auch Dolmetscherin gearbeitet, damit ich meine Deutschkenntnisse anwenden kann.
00:02:00: Okay, also da interessiert mich direkt, also hast du als Dolmetscherin russisch-deutsch gearbeitet?
00:02:08: Ja.
00:02:08: Oder hast du auch mit anderen Sprachen
00:02:10: übersetzt?
00:02:11: Nein,
00:02:11: nein.
00:02:11: Also hauptsächlich war das deutsch und wir betreuten zum Beispiel ausländische Gäste aus Deutschland.
00:02:18: Damals gab es ja noch zwei Deutschland, der BRD aus Österreich und auch aus der Schweiz.
00:02:24: Das war allerdings ziemlich schwierig.
00:02:26: Schweizerdeutsch war ja sehr schwer zu verstehen.
00:02:29: Ja.
00:02:31: Ja, das verändert sich, glaube ich, nicht, dass das Schweizer-Dütsch einfach so ein bisschen für sich steht.
00:02:36: Okay, also du bist dann lange in St.
00:02:39: Petersburg gewesen und jetzt würde ich gerne verstehen, wie du von St.
00:02:47: Petersburg nach Bielefeld gekommen bist.
00:02:49: Also ich glaube, dass wenn man jetzt in Russland aufwächst und vor allem in St.
00:02:54: Petersburg dieser Großstadt, dieser super weltoffenen, wie du gesagt hast, dieser weltoffenen Stadt lebst, Wie kommst du auf Bielefeld?
00:03:01: Warum bist du hier?
00:03:30: Natürlich hatte ich mich dann versucht, beruflich weiterzuentwickeln.
00:03:38: Ich hatte Glück, an der Uni Bielefeld, an der Fakultät für Slowistik, an einem sehr interessanten Projekt unter der Leitung des Professors Dr.
00:03:50: Hans Gunther zu arbeiten.
00:03:52: Da ging es um die Literatur des sozialistischen Realismus.
00:03:56: Diese Literatur stand ich auch sehr nah, weil ich in der Sowjetunion aufgewachsen war und diese Thematik kannte ich sehr gut.
00:04:06: Das Projekt wurde unterstützt von der Volkswagensstiftung, das heißt wurde von der Volkswagensstiftung finanziert.
00:04:14: Und wenn die Finanzierung alle war, sollte man auch was anderes machen.
00:04:18: Und parallel hatte ich also eine Prüfung gemacht bei der IHK zu Düsseldorf und arbeitete dann hauptsächlich als Dolmetscherin bei Justizbehörden.
00:04:30: Aha, also du bist sofort nach Bielefeld gekommen.
00:04:33: Das finde ich schon interessant.
00:04:34: Also ich weiß, dass für unsere Zuhörerinnen, wenn ihr in die Folgen zum Beispiel polnisch mit Agata oder auch türkisch mit Nilgön rein hört, die teilweise andere Schritte in Deutschland hatten, wo sie vorher waren.
00:04:48: Ich weiß das auch von anderen Kolleginnen und Kollegen.
00:04:50: Also du bist direkt nach Bielefeld gekommen, weil hier eine Stelle offen war sozusagen, die du... ... gesehen hast.
00:04:55: oder weil?
00:04:56: Nein, weil ich das privat konnte.
00:04:59: Okay,
00:04:59: weil dein Mann hier aus der Region kommt?
00:05:01: Genau,
00:05:01: genau.
00:05:02: Und das war ja Zufall, dass ich diesen ... ... an diesem Projekt teilnehmen konnte.
00:05:07: Okay.
00:05:08: Du hast gesagt ... ... in der Fakultät für das Salavistik, die gibt es ja leider heute nicht mehr.
00:05:15: Das heißt, du hast da dann ... angefangen und hast bis zum Ende dieser Fakultät dort gearbeitet.
00:05:21: oder wie sah das aus?
00:05:23: Ich habe nur an diesem Projekt teilgenommen.
00:05:26: Ich habe an den Texten gearbeitet, die Konferenzen organisiert.
00:05:31: haben mir natürlich studentische Kräfte sehr geholfen dabei.
00:05:35: Und ich wollte, wenn das Projekt zu Ende ging, wollte ich mich nicht von der Uni Bielefeld trennen und habe schon damals angefangen, an der Fakultät für Slowissik Russisch zu unterrichten.
00:05:49: Ah, das war noch gar nicht im FSS.
00:05:50: Das war noch vor
00:05:52: dem Fachbratenzentrum, ganz genau,
00:05:55: ja.
00:05:58: Dann hat sich die Slawistik aufgelöst irgendwann, das wurde eingestampft.
00:06:02: Genau.
00:06:02: Und dann bist du ans FSS gekommen.
00:06:04: Ja, eigentlich sofort, als FSS gegründet war, ich weiß es nicht mehr, das Jahr.
00:06:06: Ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr
00:06:12: ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich
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00:06:19: das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube, das Jahr ist, ich glaube Olga, lass uns einen Schritt weitergehen.
00:06:31: Russisch hat ja eine unglaublich reiche kulturelle Geschichte.
00:06:36: Also es ist einfach sehr alt.
00:06:40: Es geht ja von der klassischen Literatur bis hin zur modernen Musikszene.
00:06:45: Also es ist ja omnipräsent.
00:06:47: Und was würdest du sagen, sind diese wichtigsten kulturellen Errungenschaften, wenn man das so sagen kann, die die russische Sprache geprägt
00:06:55: haben.
00:06:56: Oh ja, da können wir uns natürlich unendlich lange darüber unterhalten, vor allem über die Geschichte der russischen Sprache.
00:07:04: Sehr gerne, das ist ein sehr interessantes Thema.
00:07:08: Also wenn wir jetzt über die historische Entwicklung der russischen Sprache reden, zuerst gab es ja die urslawische Sprache und sie entwickelte sich aus der Indo-europäischen Sprache Gruppe, das war ja vor.
00:07:22: weiß ich nicht schon, dreitausend Jahren.
00:07:24: Es gibt ja keine schriftlichen Dokumente aus dieser Zeit.
00:07:29: Und mit der Ausbreitung der oslawischen Stämme beginnt sich auch die Sprache immer differenzierter zu werden.
00:07:36: Die Sprache wird von verschiedenen Dialekten der benachbarten Gebiete beeinflusst und dann entstehen Verschiedene Sprachgruppen, wie bekannt, also die Slavische, wohin zum Beispiel Russisch gehört, die Germanische, das sind ja Englisch, Deutsch und Niederländisch zum Beispiel, oder Romanische, aus dem Rom kommt ja der Name, Französisch, Italienisch, Spanisch, oder Baltische Sprachgruppen, das sind ja letisch-litauisch.
00:08:01: Wichtig ist nur, dass man aus dieser Zeit, was Slavische Sprachen betrifft, nur... mündliche Tendenzen hat.
00:08:12: Es ist also
00:08:14: nicht schriftlich überliefert, nur
00:08:16: besprochen
00:08:17: worden.
00:08:17: Damals nicht, genau.
00:08:19: Nun, wir haben der vergleichenden Sprachforschung zu verdanken, dass man die urslawischen Sprache rekonstruieren kann.
00:08:29: Das ist von den Linguisten mittlerweile so gut rekonstruiert, dass man schon die Aussprache und der Klang eines Wortes mit einer Präzision hören kann.
00:08:42: Okay, das ist schon ja sehr interessant, dass die so was mittlerweile hinkriegen.
00:08:47: Ja, aber wenn wir weiter reden über diese Entwicklung der Sprache, also aus dieser urslawischen Sprache, die ziemlich lange existierte, das endete, glaube ich, ja, das war so... Zeitabschnitt zwischen dem fünften und zehnten Jahrhundert, dann entstanden noch andere Gruppen der Slavischen, der Slavischen Sprache.
00:09:14: Das ist zum Beispiel Oslavisch, ukrainisch, Belarusisch, russisch.
00:09:18: Das ist Westslavisch, zum Beispiel Polnisch oder Tschechisch.
00:09:22: Und Südslavisch, das ist Bulgarisch, Serbisch, Macedonisch und Kroatisch.
00:09:29: Und weil wir keine schriftliche Dokumente der urslawischen Sprache haben, wurde, wie ich schon sagte, sehr viel von der vergleichenden Sprachforschung gemacht, damit wir schon das etwas rekonstruieren.
00:09:45: Aber ich möchte mich nicht wiederholen.
00:09:47: Ich könnte nur sagen, dass noch im zehnten Jahrhundert alles Laven sich gut verstehen konnten.
00:09:54: Deswegen zum Beispiel können wir heute noch sehr viel Ähnlichkeit finden, zum Beispiel bei einem Wortstamm.
00:10:08: Es gibt zum Beispiel das Wort im Tschechischen, glaube ich, heißt das Pasor und Achtung.
00:10:15: Und im Brussischen bedeutet das Wort Schande.
00:10:19: Oder zum Beispiel, wenn wir über Regenbogen sprechen, bei den Südslawischen sagt man Duga und im russischen Raduga.
00:10:31: Also ich liebe zum Beispiel, muss ich ehrlich sagen, wenn ich in meiner Gruppe die Teilnehmer aus den Ländern des ehemaligen Jogoslawiens habe oder aus Polen, weil wir finden so viele Gemeinsamkeiten und sie bereichern auch den Unterricht, weil sie dann erstens auch sehr viel Ähnlichkeit finden, aber das ist doch was anderes.
00:10:57: Man muss wirklich sehr aufpassen.
00:11:00: Ja, also es gibt ganz viele Überschneidungen, sagst du jetzt, aber im selben Moment ist es irgendwie ganz anders.
00:11:08: Ich finde, das zeigt ja, und das wollen wir vor allem in diesem Podcast deutlich machen, dass Sprachen teilweise lange gemeinsame Geschichten haben, dass sie zusammenhängen, die selben Ursprünge haben, aber am Ende dann sich es genau aufteilen und selber irgendwie entwickeln eine ganz eigene... Prägung bekommen, das finde ich schon sehr interessant.
00:11:31: Und wenn man sowas natürlich im Unterricht hat, ist das natürlich hervorragend, dass die, dass die Studis irgendwie sowas mitbringen.
00:11:37: Ja, das stehe ich mir echt sehr, sehr gut vor.
00:11:40: Okay, ich würde zur nächsten Frage tatsächlich kommen.
00:11:45: Also, wir hören jetzt ganz oft, also du hast jetzt viel über die, allgemein über die slavischen Sprachen gesprochen, über diese verschiedenen Arten, aber wir haben auch gesagt russisch, Und dieser Begriff Russisch-Russland, hat das eine gewisse Bedeutung?
00:12:03: Wo kommt das her?
00:12:03: Warum sagen wir heute überhaupt Russland zu diesem Staat?
00:12:08: Oh ja, bis jetzt gibt es natürlich unter den Wissenschaftlern keine einheitliche Meinung über die Herkunft und die Bedeutung dieses Wortes Rus.
00:12:18: Wenn man allein im Internet schaut, findet man mindestens fünf oder zehn Erklärungen dafür.
00:12:25: Und ich halte mich zum Beispiel an die klassische Hypothese.
00:12:30: Die hat mit dem skandinavischen Ursprung zu tun.
00:12:34: Im Mittelalter kamen die Varäger.
00:12:37: Das ist ein altisländisches Wort.
00:12:40: In Schweden nennt man sie Wikinger.
00:12:45: So circa im achten... zwischen dem VIII.
00:12:49: und XII.
00:12:50: Jahrhundert in die Gebiete des heutigen Osteuropas und auch ins Byzantinische Reich.
00:12:56: Sie kamen als Händler.
00:12:59: Sie kamen auch als Krieger.
00:13:01: Und die nannten sich wie gesagt Wikinger oder Russ.
00:13:08: Und davon kommt der Name eigentlich.
00:13:15: Das heißt Ruder.
00:13:17: Sie kamen ja mit Schiffen.
00:13:19: Mit Schiffen war es einfacher, weil wenn man zum Beispiel durch das Land reiste, musste man Zölle bezahlen und viele Hindernisse.
00:13:28: Aber mit Schiffen war das einfacher.
00:13:31: Und man spricht heute auch über die soziale Bedeutung dieses Begriffes.
00:13:37: Das heißt, es waren wohl Menschen, die auch sehr nah einem Fürsten oder einem Obermann standen, die zum Beispiel Tribute bei Untergeordneten sammelten.
00:13:48: Also damals waren ja Großfürstertürmer, also es waren ja keine einheitlichen Städte noch.
00:13:53: Die kämpften auch.
00:13:56: Und wie gesagt, sie nutzten dann große Flüsse, wie zum Beispiel der Fluss Nepper.
00:14:02: Und dann bewegten sie sich im osteuropäischen Tiefland.
00:14:07: Also Ruderer kann man Russ übersetzen oder... Buchtelagerer oder Seeräuber.
00:14:16: Also später nannten sich Russ auch viele Oslaven, die mit Wikinger kontaktiert hatten, die mit ihnen handelten und so wurde dieser Begriff dann verbreitet.
00:14:26: Aha, also sehr interessant, dass das ja von den Wikinger kommt, die einfach durch, wie du sagst, Rudern, also mit den Booten sozusagen in dieser Region vorgedrungen sind.
00:14:38: Du hast jetzt aber ein Begriff genannt.
00:14:42: Du hast nämlich gesagt, die kamen über große Flüsse und du hast den Fluss Denier genannt.
00:14:48: Und ich habe das Gefühl, das kenne ich so ein bisschen, also wir wollen jetzt hier, das sage ich ganz ausdrücklich, nicht besonders politisch werden, aber ich habe das Gefühl, dass ich das in der Aktualität, in den Nachrichten mit dem Krieg in der Ukraine, der ja leider immer noch tobt, Immer mal wieder höherer.
00:15:07: Ich höre diesen Fluss Nipro oder Dnipro.
00:15:11: Also ist das derselbe, auf den du dich jetzt beziehst?
00:15:14: Was gibt es da also für Zusammenhänge?
00:15:17: Ganz genau.
00:15:18: Dnipro auf Russisch, Dnipro auf ukrainisch.
00:15:22: Eigentlich Kiev war Russ.
00:15:26: So nannte sich damals dieses große Reich im Mittelalter.
00:15:30: Und Kiev war der Sitz der Großfürsten.
00:15:35: Also Kiev hat noch auch eine sehr reiche Geschichte.
00:15:39: Und altrussisch, damals altrussisch, teilte sich schon circa im vierzehnten, fünftzehnten Jahrhundert in drei Sprachen auf, in die ukrainische, in die belarussische und in russische.
00:15:54: Und heute vertreten auch einige Wissenschaftler die Meinung, dass man aus dem altrussischen sogar vier Sprachen differenzieren könnte.
00:16:05: Eine zum Beispiel kam aus dem Gebiet Novgorod.
00:16:10: Das ist eine Stadt etwas nördlich in Russland.
00:16:15: Übrigens, Billy Feld hatte auch Novgorod als Partnerstadt.
00:16:22: Genau.
00:16:23: Ich glaube, das ruht seit dem
00:16:27: Jahr.
00:16:27: Ja, das ist im Moment.
00:16:29: Ja, also ich kann das genau.
00:16:32: Im Moment ist es leider alles flaute durch die politischen Ereignisse.
00:16:39: Aber ich möchte nur betonen, dass die Leute in Novgorod damals auch ihre besondere Sprache sprachen.
00:16:48: Sprache, Sprache, Entschuldigung.
00:16:51: Und ich möchte in diesem Zusammenhang auch was Interessantes erwähnen.
00:16:56: Und zwar, man hat archäologische Ausgrabungen gemacht.
00:17:02: Ich war übrigens dabei in den achtziger Jahren, aber die hat man schon in den fünziger Jahren angefangen, in der Stadt Novgorod.
00:17:11: Und ich meine jetzt natürlich das zwanzig Jahrhundert.
00:17:16: Und bei den Ausgrabungen wurden die sogenannten Briefe auf der Birkenrinde gefunden.
00:17:27: Also das Papier gab es ja im Mittelalter in Russland noch nicht so, beziehungsweise es gab es vielleicht bei München, die dann ihre Chroniken schrieben auf diesen dicken, also diese dicke... Bücher, die auf Pergamenten leden, dass da munster man so viele Kälber töten, damit man so ein Buch erst mal verschafft.
00:17:50: Aber das waren einfache kurze Briefe auf Birkenrente.
00:17:59: Das war so was Ähnliches, wie wir heute zum Beispiel WhatsApp oder Telegram Nachrichten schicken, weil das waren wirklich ganz kurze Stücke von der Birkenrinde.
00:18:09: Und da hat man geschrieben, einfache Sachen, so alltägliche Sachen verhalten, zum Beispiel kann ich bei dir Geld leihen oder du schuldest mir Geld oder ich vergesse was, bring mir Salz, ich habe kein Salz.
00:18:26: oder Man hat jemanden kurz an etwas erinnert.
00:18:31: Das heißt, man hatte schon um die Zeit gesehen, dass eine besondere Ausdrucksweise in diesem Gebiet benutzt war.
00:18:42: Und hier, wenn wir schon weiter über die Entwicklung der russischen Sprache sprechen, da hat man sehr ... krass oder, wie soll ich sagen, deutlich zwei Tendenzen gesehen, das sogenannte nordwestliche Dialekt und das Dialekt der zentralen Gebieten.
00:19:05: Später natürlich vermischen sie sich beide, weil die Leute kontaktierten, da gab es Kriege, da gab es Eroberungen, der Moskau RZR ging auf Novgorod und man zum Beispiel die Aussprache, dass konnte man sehr gut hören.
00:19:24: Heute spricht man im Norden mehr mit der Betonung auf O. Die Wörter werden immer mit O betont.
00:19:32: In Moskau macht man das nicht.
00:19:35: Man spricht immer anstatt OA.
00:19:38: Und das ist so eine phonetische Besonderheit der oslawischen Dialekte.
00:19:44: Später natürlich wurde das immer mehr vereinheitlich.
00:19:48: In unserer Zeit gibt es ja Rundfunk und Medien und Normen der Aussprache.
00:19:53: Aber wir lernen im Kurs natürlich die Aussprache, die sich durchgesetzt hat.
00:19:57: Das unbetonte Vokal O wird immer wie A ausgesprochen.
00:20:02: Das sage ich fast beim ersten oder zweiten Unterricht.
00:20:06: Okay, das kommt also sehr, sehr früh.
00:20:09: Du erwähnst den Unterricht.
00:20:11: Ich finde, das ist eine perfekte Überleitung.
00:20:14: Ich glaube, dass Ich glaube, dass die meisten von uns irgendwie mal mit, ich sage jetzt einfach mal dem Russischen im Kontakt waren, vor allem mit dieser kürlichen Schrift.
00:20:25: Also sie sieht ja dann schon anders aus als unser, ja, lateinisch geprägtes Alphabet.
00:20:32: Manche sagen auch, dass das so eine Hürde ist oder dass die komplexe Grammatik, das habe ich selber auch mal gehört, dem Lernen so ein bisschen im Weg steht, also dass das schwierig sein soll.
00:20:43: Stimmt das?
00:20:45: Wie versuchst du diese, wenn es Hürden gibt, wie versuchst du sie im Unterricht irgendwie mit einzubauen und den Studis zu zeigen?
00:20:53: Leute, das ist gar nicht so schlimm wie euch das immer vorstellt.
00:20:56: Wie machst du das?
00:20:58: Eine sehr gute Frage.
00:20:59: Also meine Meinung nach gibt es keine Hürde, aber ich habe es leicht zu reden.
00:21:06: Das ist ja meine Muttersprache.
00:21:07: Ich
00:21:07: wollte gerade sagen, du bist ja Muttersprachlerin.
00:21:09: Genau.
00:21:10: Aber ich würde nicht sagen, dass es eine Hürde ist, weil das kann man auch im Unterricht sehr gut präsentieren.
00:21:18: Wenn du mir erlaubst, sage ich wieder ein bisschen was zur Geschichte.
00:21:21: Ja, ja, bitte, bitte.
00:21:22: Der kiralischen
00:21:23: Alphabet.
00:21:25: Also das kommt von dem Namen, es gab ja zwei Mönche, zwei Brüder, der eine hieß Konstantin und der andere Methodius und der Konstantin wurde später zu einem Mönch und als Mönch nannte er sich Kürill.
00:21:42: Es gibt wiederum Verschiedene Vermutungen.
00:21:45: Man sagt, dass sie aus dem Tessaloniki kamen.
00:21:49: Die anderen sagen, sie kamen aus der damaligen Hauptstadt von Bulgarien, Pliska.
00:21:55: Und sie hatten das Alphabet erfunden.
00:21:58: Also sie bekamen einen Auftrag.
00:21:59: Sie sollten die Heiligeschrift übersetzen.
00:22:04: Und sie hatten einfach bei den Leuten gehört, wie sie... die Laute aussprechen und sie dann in die Buchstaben umgesetzt.
00:22:14: Aber wir können hier nicht über kirilische Schrift noch reden, weil sie haben eigentlich die sogenannte glagulitische Schrift erfunden.
00:22:26: Das könnte man auch im Internet finden, wie ganz, für mich auch ganz fremd aussieht.
00:22:33: Also sie ist
00:22:35: nicht wie die heutige kirilische Schrift?
00:22:37: Ganz genau.
00:22:38: Und später wurde dann diese glagolitische Schrift von den Nachfolgerinnen, von den Schülern von Kiril und Methodius weiterentwickelt.
00:22:49: Und die dankbaren Schüler haben dann zu Ehren des Erfinders das kirilische Schrift.
00:22:56: Ah, da kommt das her sozusagen.
00:22:58: Genau.
00:22:59: Aber okay, wenn sich das jetzt richtig rausgehört hat, hatte das also am Anfang diese erste erfundene Schrift oder kreierte Schrift von Kirill.
00:23:10: Das hatte dann religiöse Gründe, weil du sagst, die heilige Schrift übersetzen.
00:23:15: Mit der heiligen Schrift meinst du, was wir im christlichen Glauben mit der Bibel kennen?
00:23:19: Genau,
00:23:20: genau.
00:23:20: Aus dem griechischen haben sie es übersetzt.
00:23:23: Aus dem Geschichten, okay.
00:23:25: Sehr interessant.
00:23:27: Ja, also sie haben es übersetzt.
00:23:28: Mittlerweile ist das dann immer adaptiert worden.
00:23:32: Ganz genau.
00:23:33: Immer weiterentwickelt
00:23:34: worden.
00:23:34: Weiterentwickelt.
00:23:35: Du hast es mir vorgespricht.
00:23:36: Auch gesagt, sie ist vereinfacht worden.
00:23:38: Genau.
00:23:38: Sie wird früher viel komplizierter.
00:23:40: Und wie, das würde mich jetzt echt interessieren.
00:23:44: Wie bindest du das dann in deinem Unterricht ein?
00:23:46: Weil sie ist ja anders.
00:23:47: Und das ist ja immer, also wenn man jetzt französisch oder englisch lernt, hat man das selbe oder fast.
00:23:52: es gibt ein paar andere Zeichen, aber man hat das selbe Schriftsystem.
00:23:56: Wie machst du das im Unterricht im russisch unterrichten mit dieser kiralischen Schrift?
00:24:01: Ja, das moderne kiralische Alphabet hat zurzeit drei und dreißig Zeichen, also drei und dreißig Buchstaben.
00:24:09: Davon sind nur zehn Vokale und die anderen sind Konsonanten.
00:24:18: Das trenne ich auch, wenn ich unterrichte und erkläre oder die anderen.
00:24:27: die Linguistik studieren, erklären das auch im Kurs, was das bedeutet.
00:24:32: Und interessant ist, wie man das sich so am besten merkt, weil es gibt einige Zeichen, die den Lateinischen entsprechen.
00:24:42: Das wurde zum Beispiel noch im achtzehnten Jahrhundert zur Zeit des Tarnpeters Großen vereinfacht.
00:24:50: Also er versuchte, wieder das Alphabet zu ändern.
00:24:53: Damit fangen wir an.
00:24:55: Dann können die Teilnehmer schon die ersten Wörter lesen, weil sie die Zeichen genauso sind wie im latanischen.
00:25:03: Aber dann kommt natürlich eine sehr große Gruppe der Zeichen.
00:25:09: Ich teile sie immer.
00:25:10: auch, ich sage immer, es gibt drei Gruppen der Zeichen, die dem latanischen ähnliche.
00:25:17: die ganz exotisch sind, also richtig exoten, erinnern manchmal an chinesische Zeichen, das sind zum Beispiel zischlaute, viele zischlaute im russischen, nicht so viele wie im polnischen, aber wir haben sie auch.
00:25:32: und die dritte und ich glaube das ist ja die komplizierter Gruppe, die Zeichen differieren, die sehen so aus wie lateinische, haben aber einem ganz anderen laut.
00:25:45: Viel kommt auch aus dem Griechischen.
00:25:48: Zum Beispiel, wenn wir über den Buchstaben F sprechen.
00:25:53: Der Buchstabe F wird geschrieben in der Griechischen Alphabet wie ein Strich.
00:26:00: Und an zu beiden Seiten des Strichs gibt es zwei Halbkreise.
00:26:07: Und ich versuche dann, das visuell darzustellen.
00:26:10: Ich stelle mich mitten im Unterrichtsraum gerade.
00:26:15: Lege dann beide Händen auf beide Hüften.
00:26:19: Ja.
00:26:19: Und dann kann man sich vorstellen, wie dieses Zeichen aussieht.
00:26:23: Okay, also ich sehe dich ja gerade vor mir.
00:26:25: Also ich weiß, was du, wie du das sozusagen für mich darstellst, wenn du es umrecht machst.
00:26:30: Okay, also du stellst dich ganz gerade hin wie dieser Strich und die Hände sozusagen, also die Arme, die dann bis zu den Hüften gehen in so einem... Halbkreis.
00:26:41: Das sieht dann aus wie der Buchstabe F. Das finde ich sehr interessant, dass du den Studi sozusagen an dir persönlich zeigst, wie diese Buchstaben aussehen.
00:26:51: Das finde ich sehr kreativ.
00:26:52: Das finde ich sehr, sehr gut.
00:26:53: Kann man das mit anderen Buchstaben auch machen?
00:26:56: Oder ist es das Schwierige?
00:26:57: Doch, ich glaube schon.
00:26:59: Manchmal frage ich auch die Studierenden, ob ihnen was einfällt oder ob sie irgendeine Erselnsbrücke dazu haben.
00:27:07: oder ich helfe auch mit meinen.
00:27:09: Aber ich will sie auch nicht irgendwie mit meiner Meinung belasten.
00:27:13: Ich
00:27:14: höre auch sehr gerne, wenn die Vorschläge von der Seite der Teilnehmer kommen.
00:27:19: Das finde ich sehr gut, sehr interaktiv.
00:27:23: die interessiert sind an den an den russischkursen so wisst ihr schon mal dass bei olga ein sehr interaktiver ansatz praktiziert wird.
00:27:34: jetzt haben wir über die buchstaben über die schrift etwas gesprochen und ich finde das leite so ein bisschen über.
00:27:40: zu meiner folgefrage das thema lehnwörter.
00:27:44: das haben wir auch vor allen Dingen der in der letzten episode Türkisch mit Neelgünen besprochen, da ist das auch so.
00:27:51: Das türkische und das deutsche sind da sehr verbunden.
00:27:56: Falls ihr da noch, also an die Zuhörer, falls ihr da noch nicht reingehört habt, hört euch unbedingt die Folge Türkisch an.
00:28:03: Wie sieht das also im Russischen aus?
00:28:05: Ich glaube, es gibt viele Lähnwörter, auch aus dem deutschen oder dem französischen.
00:28:10: Kannst du da Beispiele nennen und weißt du, ob es da, also kennst du die geschichtlichen Hintergründe, wie das entstanden ist?
00:28:17: Ja, natürlich, ohne Geschichte kommen wir nicht aus.
00:28:21: Aber ich glaube, dieser Lähnwörter, das ist was ganz Normales, weil das ist der Anfluss der Kulturen, da sind politische und historische Zusammenhänge.
00:28:31: Ein Teilnehmer hat mich übrigens vor kurzem gefragt, gibt es im Russischen überhaupt eigene Wörter und sind das alles Lähnwörter?
00:28:41: Die Frage kam, weil ich am Anfang natürlich, wenn wir das Alphabet lernen, natürlich Internationalismen benutze, damit man es einfacher lesen kann, weil man hat ja die Schwierigkeit, diese neue Zeichen kennenzulernen und dann auch noch die Bedeutung zu merken.
00:29:00: natürlich sehr viele Internationalismen.
00:29:03: Aber das kann man nicht sagen, dass Russisch alles... aus den anderen Sprachen nimmt.
00:29:10: Zum Beispiel hier im Westen hat man zum Beispiel das Wort Glasnost gelernt.
00:29:16: Das war zu der Zeit von Michael Gorbachev oder Perestroika.
00:29:21: Das war auch ein russisches Wort, was auch übernommen wurde oder das Wort Sputnik.
00:29:28: Das kennen wir natürlich alle.
00:29:30: Na ja, gibt es natürlich im russischen Film Lernwörter, wie ich schon sagte, durch die Handelsbeziehungen durch die Verbindung mit anderen Völkern, durch Migration, durch den kulturellen Austausch.
00:29:45: Zum Beispiel viele deutsche Wörter.
00:29:51: Viele Deutsche kamen ja noch zu der Zeit von Katharina II.
00:29:54: und noch davor nach Russland.
00:29:57: Da sagen wir mal das Wort Marschrut.
00:30:02: Erinnert dich das an was
00:30:05: Marschrute?
00:30:05: Also ich hätte jetzt irgendwie ganz spontan, würde ich jetzt sagen, Marschrute.
00:30:10: Also ich hätte jetzt was Kriegerisches oder... Militärisch ist damit verbunden, ich weiß nicht, aber du nix.
00:30:15: Ganz genau, ursprünglich war das so.
00:30:18: Heute sagt man dieses Wort, wenn man über eine normale Route redet.
00:30:24: Welche Route nehmen wir heute, wenn zum Beispiel die Gruppe von Wanderern irgendwo in den Bergen ist?
00:30:33: Oder
00:30:34: zum Beispiel das Wort Schachta.
00:30:38: Erinnern dich
00:30:39: das?
00:30:40: Also ich hatte jetzt den, ich sag mal, oder ich hätte jetzt getippt der Vokal am Ende.
00:30:45: Also ich hätte es auf Schacht verkürzt, ob das aus dem Bergbau oder sowas kommt.
00:30:49: Richtig.
00:30:50: Sehr gut.
00:30:51: An die Zuhause, ich habe es nicht vorbereitet.
00:30:53: Es ist wirklich gerade improvisiert.
00:30:55: Also das will ich betonen.
00:30:56: Ja, sehr interessant ist zum Beispiel auch das Wort Galtstück.
00:31:00: Im russischen gibt es kein Hauchlaut.
00:31:03: Man sagt es anstatt.
00:31:05: Also man sagt zum Beispiel Gamburg und nicht Hamburg.
00:31:09: Man sagt Ganover und nicht Hannover.
00:31:13: Und das Wort Galstuk, was ist das?
00:31:17: Moment mal, jetzt muss ich das Gehme durch ein Haar ersetzen.
00:31:20: Also Haltstuk?
00:31:23: Haltstuk?
00:31:24: Ah, das Haltstuk.
00:31:26: Okay, wenn Schal oder so
00:31:27: was.
00:31:27: Ganz, hat aber im Russischen eine ganz andere Bedeutung.
00:31:31: Das ist die Krawatte.
00:31:34: Aber weil man sich so um den Hals bindet, hat sich das dann so ein bisschen verändert.
00:31:38: Ach, was
00:31:38: interessant.
00:31:39: Genau, genau.
00:31:40: Vielleicht noch ein Beispiel.
00:31:42: Na gut, heute nennt man das in Russland auch ein Friseursalon, ein anderes Wort Salon.
00:31:50: Aber früher war sehr verbreitet das Wort Perikmaherskaya.
00:31:55: Perücke machen.
00:31:57: Perücke machen.
00:31:58: Ach was.
00:31:59: Das kommt natürlich auch noch aus der Zeit, ne?
00:32:02: Okay,
00:32:02: also wir sehen und so wie Sie hören es, es gibt einfach unfassbar viele Verbindungen zwischen dem russischen und anderen Sprachen, wie gesagt, du hast jetzt hauptsächlich Beispiel, du bist Deutschengandand, aber ich finde es unfassbar.
00:32:16: Also das mit dem Perücke machen finde ich jetzt sehr witzig.
00:32:18: Das muss ich schon gestehen.
00:32:21: Okay.
00:32:24: Okay, wir versuchen mal wieder ein bisschen das Thema zu ändern.
00:32:29: Also wir haben jetzt über den Einfluss anderer Sprachen auf das Russische gesprochen und ich will jetzt das Platz so ein bisschen umdrehen und nämlich den Einfluss sozusagen auf moderne oder andere Sprachen aus der Sicht des Russischen.
00:32:45: Also im post-Sovietischen Raum, insbesondere in Zentralasien und im Caucasus, hat Russisch ja eine wichtige Rolle eingenommen, also als Verkehrssprache und hat dementsprechend auch mit Sicherheit einige Wörter und Ausdrücke in den Sprachen wie zum Beispiel das kasachische oder usbekische gebracht und auch andersrum entlehnt.
00:33:06: Kannst du uns dazu ein bisschen was erzählen, also den Einfluss des Russischen auf andere Sprachen in diesem Zentralasiatischen Raum?
00:33:15: Ja, dann sollten wir wieder über die Geschichte reden, und zwar über die neue Geschichte.
00:33:21: Aber unter den Sprachen der ehemaligen Sowjetunion waren natürlich hunderte Sprachen und Dialekte, und die kamen auch aus unterschiedlichen Sprachfamilien.
00:33:34: Kurz nach der Oktober-Revolution, war es verfügbar, dass alle Nationalitäten in der damaligen Sowjetunion in ihrer Muttersprache unterrichten dürfen.
00:33:47: Und dann wurde je nach Sprache das Kirillische, das Lateinische oder das Arabische Alphabet verwendet.
00:33:54: Und man benutzte eigentlich das Kirillische Alphabet bei vielen Sprachen, die auch nicht alphabetisiert waren.
00:34:09: Man soll sagen, dass Später, also diese Nationalpolitik war ja am Anfang sehr gefördert.
00:34:17: Aber der neue Staat baute natürlich sein neues Verwaltungssystem.
00:34:24: Und damit du in einen höheren Posten... heißt, sollte man wohl ins Nolens russische Sprache sprechen und beherrschen können.
00:34:40: Okay,
00:34:41: also das war so der Schlüssel für eine Karriere oder für?
00:34:45: Ja, wenn wir sagen heute, wie ist es heute mit Englisch, also in der damaligen Sowjetunion war das schon, ja, eine Herausforderung, war das schon wichtig.
00:34:58: Ich möchte nur was Interessantes erwähnen, und zwar als die Sowjetrepublik nach der Oktoberrevolution sozusagen noch jung war und die Nationalsprachen gefördert waren, dann entstand auch in vielen Gebieten eigene Literatur, zum Beispiel in den Zwanzigerjahren.
00:35:22: Ich besuche zurzeit durch ukrainischer Lesekreis und wir lesen werke ukrainische autoren die in den zwanzigern Jahren des zwanzigern Jahrhunderts wirkten und damals ukrainisch geschrieben haben.
00:35:36: sie waren verfasst in der ukrainischen frag.
00:35:38: wir lesen das heute natürlich übersetzt in der deutschen.
00:35:43: ukrainisch kann ich nicht und als ich in der sowjetischen lebte wusste ich gar nicht dass so eine literatur gab.
00:35:50: wir wussten vielleicht nur wir kannten nur einige bekannte ukrainische dichter wird.
00:35:56: aber sehr, sehr viel wurde einfach verschwiegen oder die Bücher waren nicht genug verlegt und danach änderte sich natürlich die Zeit mit dem Stalinismus der Dreißiger Jahre.
00:36:14: Die Politik wurde schon geändert, also vielleicht nicht grundlegend.
00:36:20: Aber es war, kann man sagen, so restriktiver, also es war einschränkender.
00:36:25: Ja, und die Sowjetbürger wurden dann sozusagen nach ihrer Nationalität, wie soll ich sagen, vielleicht sortiert ist ein blödes Wort, damit man sozusagen über eine soziale Gleichung... einige Nationalitäten zu Feinden erklärt.
00:36:47: Und es ist bekannt, dass zum Beispiel in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre und auch besonders während des Zweiten Weltkrieges hunderttausende von Menschen von der NQVD als Feinde identifiziert wurden und deportiert waren.
00:37:05: Das ist ja bekannt.
00:37:10: Vielleicht ist es auch interessant zu erwähnen, ich bin ja in der Sowjetunion aufgewachsen und als Schülerin, ich bin ja schon so ein Dinosaurier, ich bin schon so alt, aber in den siebziger Jahren, als ich in der Schule war, in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, hat man uns in der Schule gesagt, dass wir jetzt alle ein Sowjetvolks sind.
00:37:35: Es gibt ja keine Nationalitäten mehr.
00:37:38: Das war natürlich das Bestrebnis, sozusagen, das Land als ein einheitliches Ganzes vorzustellen.
00:37:48: Ach,
00:37:48: verrückt.
00:37:49: Okay, also es wurde dann wirklich ganz genau darauf geachtet oder es wurde euch beigebracht.
00:37:56: Das muss man ja sagen, wenn man jetzt Kind zu was gesagt bekommt.
00:37:59: Nimmt man das ja erstmal auf, dass okay ihr seid jetzt alle ein Volk, es gibt nicht mehr diese großen Unterschiede.
00:38:06: Aha.
00:38:06: Und wie war das dann für dich als Kind?
00:38:09: Also hast du das irgendwann, also hast du angefangen irgendwann das zu hinterfragen oder hast du, wie war das für dich?
00:38:19: Also... Wenn du magst, erzähl gerne, wie das für dich in der Kindheit und als Jugendliche dann war.
00:38:26: Ja, in der Kindheit war das vielleicht, also das war ganz ein, das war natürlich Ideologie und als Kinder konnten wir das vielleicht noch nicht so richtig realisieren, aber nicht zufällig habe ich zum Beispiel später Deutsch gelernt und dann auch studiert.
00:38:45: Weil wir wissen, jede Sprache öffnet neue Türen und neue Kultur.
00:38:50: Und ich wollte einfach mehr wissen und über die Grenzen hinausgehen.
00:38:55: Und das war mir wichtig.
00:38:56: Und ja, deswegen später, also meine Entscheidung, Germanistin zu werden, hat natürlich was damit zu tun.
00:39:08: Ja, dass du so ein bisschen raus wolltest aus diesem... Ja, ich glaube, man kann das Propagand dann nennen.
00:39:13: Ja,
00:39:14: ganz genau.
00:39:15: Aus diesem Konstrukt, aus diesem Gedanken, es gibt jetzt nur das eine und darüber hinaus, das ist alles nicht wichtig.
00:39:23: Okay, das finde ich sehr interessant.
00:39:25: Ich würde langsam zum Abschluss kommen wollen, eine letzte Frage oder so.
00:39:30: Ja, ganz kurzes Thema noch.
00:39:33: Also, wir im Fachschwachern Sendum und deswegen sprechen wir darüber hier auch im Podcast, bieten Kurse für die Schwache Russisch an.
00:39:41: Kannst du, auch wenn wir eben schon so ein bisschen darüber gesprochen haben, wie du das in deinem Unterricht machst, mit dem F und so weiter, das wird das ganz schön genannt.
00:39:48: Aber was können Studis vom russisch Unterricht erwarten?
00:39:53: Also startet ihr erst mit irgendwelchen Alltagsvokabeln oder was fließt da so mit in den Unterricht?
00:40:01: Ein Redewänderungen oder auch vielleicht... Kulturelle Einflüsse, also wenn du was erzählst oder für dich sowas mitbringst, essen oder ein Buch oder sowas, kannst du uns ein bisschen erzählen?
00:40:15: Wie läuft das so ab?
00:40:17: Ja, also kommt drauf an, was das für eine Gruppe ist, wie Detailnehmer sind.
00:40:25: Manchmal schaffen wir richtig viel.
00:40:28: Manchmal ist es irgendwie, finde ich schon ein bisschen langweilig.
00:40:33: Wie gesagt, die Teilnehmer geben mir entweder Kraft oder nehmen mir die Kraft weg.
00:40:40: Aber was denke ich, die Teilnehmer sehr interessiert, ist Landeskunde.
00:40:49: Also unser Lehrbuch ist zum Beispiel in mehreren Lektionen aufgeteilt, wie wahrscheinlich Lehrbücher bei anderen Sprachen.
00:40:57: Nach jeder Lektion kommt dann immer so ein Part ... Landeskunde.
00:41:03: Und da, das erzähle ich natürlich auf Deutsch bei den Anfängern.
00:41:09: Aber das interessiert die Teilnehmer sehr.
00:41:14: Ja.
00:41:14: Und ich muss sagen, dass wir, wenn wir über Russische Kurse reden, hier auch diese besondere Level haben.
00:41:24: Ja,
00:41:24: genau.
00:41:25: Ich habe es noch nicht angesprochen, aber wer ein bisschen durch das EKVV geht, dem wird es auffallen.
00:41:32: Bei vielen Sprachen ist das so, ihr habt ein A-Einskurs, dann A-Zwei und dann macht ihr mit dem B-Level weiter.
00:41:38: Aber bei Russisch ist es so, wir haben das aufgeteilt, A-Eins Punkt Eins, A-Eins Punkt Zwei und dann zwei Punkt Eins, zwei Punkt Zwei.
00:41:46: Warum haben wir das so kleinschrittig gemacht?
00:41:49: Warum ist das so detailliert?
00:41:51: Ja, ich kann zum Beispiel etwas genauer oder mehr über dieser A-Eins-Eins und A-Eins-Zwei erzählen, weil ich das unterrichte.
00:42:02: Die anderen Level unterrichten meine Kollegen.
00:42:05: Die russische Sprache ist natürlich schwer, aber welche Sprache ist es nicht?
00:42:10: Das ist ja immer so.
00:42:15: Ja, das stimmt.
00:42:17: Grammatik lernen und in der russischen Grammatik gibt es so viele Widersprüche, viele Ausnahmen.
00:42:24: Da gibt es Faustregel, aber eine meiner Freundin hat zum Beispiel einen Russen, mit der wir zusammen studiert hatten, hat mich zum Beispiel gefragt, wie unterrichtest du russisch?
00:42:37: Es gibt ja mehr Ausnahmen als Regeln.
00:42:40: Aber zum Beispiel bei diesem A eins.
00:42:43: eins Kurs, da werden natürlich absolute Grundlagen gelernt.
00:42:48: Also man beschäftigt sich mit dem Alphabet, mit den ersten Vokabeln, mit den einfachsten grammatischen Strukturen.
00:42:57: Dann werden natürlich sehr einfache Ausdrücke und sehr einfache Sätze gelernt.
00:43:02: Am Ende von diesem Kurs bitte ich immer die Teilnehmer über ihre Familie zu erzählen.
00:43:08: Weil da haben wir genug über sich selbst natürlich und ihre Familie.
00:43:11: Ich finde, dass es auch ein gutes Thema, wenn man dann in eine Konversation mit einem Russen, sagen wir, trifft, dann kann man schon ein bisschen was von sich selbst berichten.
00:43:24: Ja, das ist interessant.
00:43:25: Genau, das ist immer zum Abschluss des Kurses A-I-I.
00:43:31: Da macht jeder eine mündliche Präsentation, die ist nicht lang, fünf Minuten oder so, oft mit Powerpoint, dann ist es noch lustiger.
00:43:41: Und in dem Folgekurs, den ich mache, also A-Einspunkt zwei, der baut sich natürlich auf dem Grundlagen des Kurses davor, dann vertiefen wir diese Kenntnisse.
00:43:55: Das heißt, wir erweitern der Wortschatz, wir lernen mehr Grammatik, was nicht so einfach ist.
00:44:03: Und ja, versuchen auch einfache Fragen.
00:44:08: zu stellen, die Fragen zu beantworten, auf sie zu reagieren, Informationen auszutauschen.
00:44:18: Und da gibt es auch bestimmte Themen, zum Beispiel das Thema guten Appetit, wo wir dann über verschiedene Gerichte der russischen Küche reden oder Einkaufen gehen oder freie Zeit oder wie man sich gleitet, was man so gerne trägt.
00:44:38: Ich denke, dass es auch, das gefällt auch den Teilnehmern.
00:44:43: Zumindest habe ich sehr viel Positives gehört.
00:44:48: Dass das so aufgeteilt ist
00:44:50: Stück
00:44:50: für Stück.
00:44:51: Genau.
00:44:51: Okay.
00:44:53: Gut.
00:44:53: Ich glaube, wir kommen zum Ende.
00:44:55: Also danke für diese ganzen spannenden Einblicke.
00:44:58: Ich finde das super.
00:44:59: Du erzählst jetzt aus der Kultur, der Sprache, Geschichte ist natürlich super wichtig.
00:45:04: Wir haben versucht, den Bezug zum FSZ herzustellen, vor allem jetzt am Ende.
00:45:11: Wer Interesse von den Zuhörern jetzt hat, Russisch zu lernen oder auch irgendeine andere Sprache, weil du hast es gerade eben vor ein paar Minuten ganz interessant gesagt, Sprachen öffnen, andere Türen.
00:45:23: Ich finde, das ist so eine schöne Zusammenfassung.
00:45:25: Wenn ihr Lust habt, Sprachen bei uns zu lernen, dann informiert euch gerne auf der Website des Fach-Sprachen-Zentrums.
00:45:31: Ihr findet im EKVV schon für das Wintersemester eine angebotene Kurse.
00:45:38: Ansonsten hört gerne in die anderen Folgen des Podcasts rein.
00:45:44: Ihr könnt uns auch bei Instagram folgen, fsz.uni.b.
00:45:49: Müsstet ihr uns finden, da halten wir euch auf dem Laufenden, was C-Testtermine angeht, also unsere Spracheinstufung, aber auch neues zu Podcast oder sonstigen Veranstaltungen.
00:46:00: Jetzt sage ich noch auf Wiedersehen.
00:46:02: Das wird
00:46:04: Daniel.
00:46:04: Danke schön.
00:46:05: Und ja, an unsere Zuhören bis zur nächsten Folge des Podcasts Language Launch.
00:46:10: Und an Olga noch mal vielen lieben Dank.
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